Seit einer Woche sind wir wieder in Deutschland. Begrüßt wurde ich erstmal mit einer dicken Erkältung, und 4 Tagen am Stück komplett ohne Sonnenschein - abgesehen vom 4 Monate alten Sohn meiner Cousine, der uns zu unserer Freude völlig überraschend schon am Flughafen in Düsseldorf begrüßte.

Dieses Blog habe ich, wie man am Datum des letzten Eintrags sieht, leider zuletzt sehr stiefmütterlich behandelt. Es ist einfach viel zu viel passiert, um alles so detailliert zu beschreiben, wie ich es hier mal begonnen hatte. Darum nur so viel: Wir hatten einfach eine tolle Zeit in Australien, und die Tatsache, dass es hier zum Ende hin weniger Einträge gab, hängt nicht damit zusammen, dass wir in der Zeit weniger erlebt hätten. Eher im Gegenteil.

Ich hatte vor einigen Monaten schon mal damit angefangen, einen neuen Artikel für dieses Blog zu schreiben. Darin geht es hauptsächlich um unseren Mid-Semester Break, der mittlerweile schon über 3 Monate in der Vergangenheit liegt. Da ich nie dazu gekommen bin, ihn fertig zu schreiben, hab ich ihn bisher nicht hier reingestellt, aber bevor er auf meiner Festplatte komplett verschimmelt, hänge ich jetzt einfach mal das an, was ich schon hab. Übrigens wollte ich schon damals die Überschrift "Ihr habt lange gewartet, ich hab lange gebraucht" nehmen, um auf die lange Zeit zwischen den Artikeln hinzuweisen ;)

Ihr habt lange gewartet, ich hab lange gebraucht, aber hier kommt mal wieder was von mir. Schon mal die Warnung vor weg: Dieser Artikel ist mal wieder sehr lang. Wie ich ja am Anfang schon mal erklärt habe, schreibe ich nicht unbedingt nur das auf, von dem ich glaube, dass es Andere interessieren könnte, sondern versuche auch für mich selbst möglichst viele Details aufzuschreiben, um mich später mal besser an alles erinnern zu können.

Unglaublich wie schnell die Zeit vergangen ist, in 4 Wochen verlassen wir WA (bitte englisch aussprechen, es steht für Western Australia) schon wieder! Richtig bewusst wurde mir das, als ich vor 2 Wochen ein Schreiben vom Vermieter bekommen habe, ob ich nicht meinen auslaufenden Vertrag verlängern wolle. In der letzten Woche waren schon die ersten Interessenten als Nachmieter für unsere Wohnung zur Besichtigung hier. Die Strom- und Telefonanschlüsse habe ich schon gekündigt, mein Konto werde ich bald wieder auflösen, und dann muss ich hier wirklich wieder weg. Verdammt Schade!

Mittlerweile auch schon wieder vier Wochen her ist unser einwöchiger Mid-Semester Break. Direkt nach unserer letzten Veranstaltung am Donnerstag Nachmittag machten wir uns mit dem gemieteten RAV4 auf den Weg Richtung Süden. Die erste Nacht verbrachten wir in Bunbury (für alle optisch orientierten Leser habe ich auch wieder unsere Stationen in Google Earth markiert).
Direkt gegenüber von unserem Motel sind wir am nächsten Morgen ins Dolphin Discovery Centre gegangen, wo man mit ein bisschen Glück Delfine am Strand sehen kann. Wir haben mal wieder zu lange geschlafen, gegen halb zehn waren schon wieder alle Delfine weg.

Weiter ging's nach Busselton, wo die Hauptattraktion ein 2 km langer Steg ist, der von der Küste ins Meer hinein ragt. Der erste Höhepunkt dann war am Nachmittag der Cape Naturaliste National Park. Dort soll man vom Land aus gute Chancen haben, vorbeiziehende Wale zu beobachten. Auch hier hatten wir was große Meeressäuger angeht zwar noch kein Glück, traumhaft schön war's aber trotzdem (ach ja, neue Fotos gibt es natürlich auch).

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir am Freitag in Augusta an, wo wir in der folgenden Nacht die einzigen Gäste im ganzen Motel waren. Am nächsten Tag dann mal wieder zu spät aufgestanden, hatten wir die Bootstour in Augusta zur Ausschau nach Walen auch verpasst. Also ging's weiter zum Cape Leeuwin, dem südwestlichsten Punkt des australischen Festlands, wo indischer Ozean und südlicher Ozean aufeinander treffen. Ähnlich wie Kap Hoorn in Südamerika und das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika war die Gegend um Cape Leeuwin früher bei Seefahrern gefürchtet. Seitdem Ende des 19. Jahrhunderts ein Leuchtturm gebaut wurde, der jetzt dort besichtigt werden kann, ist es wohl nicht mehr so dramatisch.

Bis zum Nachmittag des Samstags wollten wir dann noch gut 300 km zum Tree Top Walk im Valley of the Giants hinter uns bringen. Mit Tempo 120 auf Landstraßen durch die hügeligen Wälder Südwestaustraliens haben wir es auch tatsächlich geschafft, ganze 5 Minuten bevor der Eingang geschlossen wurde, auf den Parkplatz zu fahren. Danach hatten wir noch 45 Minuten Zeit, uns die über 40 Meter hohen Riesenbäume von einem Stahlgerüst von oben anzugucken.

Vorbei an unendlichen Schafsherden kamen wir zum Sonnenuntergang zurück zur Küste zu den Elephant Rocks. (Ab hier spare ich mir, bei jedem Nationalpark zu schreiben, wie schön er war. Die Fotos dürften für sich sprechen.) Am Abend lernte ich dann in einer Kleinstadt namens Denmark noch den Begriff Counter Meal kennen. In einem Restaurant mit Counter Meals gibt es eigentlich ähnliches Essen wie in normalen Restaurants, man bestellt und bezahlt jedoch vor ab an der Theke. Die Getränke nimmt man direkt selbst mit, das Essen wird gebracht.

Die folgenden zwei Nächte blieben wir in Albany. Wir hatten zwar vorher schon schönere Städte und Hotels gesehen, dafür haben wir es in Albany endlich geschafft, pünktlich zu einer Bootstour zu erscheinen. Unser Skipper John, geschätzte gute 60 Jahre, arbeitet früher für die UN und spielt den Walen schon mal Musik vor. Da sie dabei jedoch einzuschlafen scheinen, fragt er sich, ob er nicht zu tief in ihre Privatssphäre eingreift, und lässt es daher in letzter eher. Sein Gehilfe Tony verdient sich seinen Lebensunterhalt als Surflehrer, wenn gerade keine Wale in der Nähe sind. Eine gute halbe Stunde nach dem Ablegen haben wir dann endlich zum ersten Mal Wale in freier Wildbahn erleben können. In der Bucht konnten wir um uns rum insgesamt drei Paare aus Mutter und Kalb beobachten. Eins davon schwamm direkt um unser Boot, tauchte neben uns auf und schwamm unter dem Boot her. Mit dem Wetter hatten wir an dem Tag auch Glück. Solange wir noch bei den Walen waren schien die Sonne. Auf dem Rückweg kam dann ein ziemlicher Schauer runter.

Am nächsten Tag ging es von Albany weiter in den benachbarten Fitzgerald River National Park. Dort übernachteten wir im Quaalup Homestead Wilderness Retreat mitten im Nationalpark. Bis zum nächsten kleineren Ort fährt man 50 km. Das Homestead (was auf deutsch so viel heißt wie Wohnhaus auf einer Schaffarm) wird seit 3 Jahren von zwei Deutschen aus Hamburg betrieben. Strom und Warmwasser erzeugen sie per Sonnenlicht, die Wasserversorgung übernimmt der Regen. Trotzdem sind die Zimmer billiger, schöner und komfortabler als in den meisten Motels, in denen wir waren. Wer mal in der Gegend ist, sollte hier auf jeden Fall die eine oder andere Nacht verbringen. Es ist dort noch wesentlich schöner als es die Fotos auf der Homepage zeigen können.

Kurz nach der Ankunft im Homestead sind wir zu einem nahe gelegenen Strand gefahren. Allein der Weg dahin war schon interessant, über eine Sandpiste, die im Schnitt 10 cm schmaler war als das Auto. Die Kratzer, die die Sträucher am Rand des Weges am Auto hinterlassen haben, haben den Autovermieter bei der Rückgabe zum Glück nicht gestört. Nach einer guten halben Stunde ohne andere Menschen gesehen zu haben stellten wir dann das Auto direkt auf dem natürlich auch menschenleeren, wunderschönen Sandstrand ab. Nur wenige Meter vom Strand entfernt zog gerade ein Wal seine Kreise, zumindest seine Schwanzflosse kann man auch auf einem der hochgeladenen Fotos gut erkennnen.

Statt direkt zum Homestead zurückzufahren, hielt ich es dann noch für eine gute Idee, in den nächsten Ort (Bremer Bay) zum Tanken zu fahren. Der Tank war nur noch knapp zu einem Viertel gefüllt, und im Nationalpark selbst gibt es keine Tankstellen. Die kürzeste Strecke aus dem Nationalpark nach Bremer Bay ist knapp 20 km lang, ist aber ausdrücklich mit der Warnung versehen, sie nur mit Allradfahrzeugen zu befahren. Warum sollten wir bald rausfinden. Die Alternativroute wäre 50 km lang gewesen, und da wir ja ein allradgetriebenes Auto hatten, entschieden wir uns für die kurze Strecke. Nach gut 10 km ohne große Probleme (die Piste war natürlich unbefestigt und voller großer Schlaglöcher, für einen RAV bei langsamer Geschwindigkeit aber nicht wirklich ein Problem) sahen wir dann die erste "Pfütze" vor uns. Die Piste in ihrer gesamten Breite war über mehrere Meter komplett mit Wasser bedeckt. Kurz angehalten und mit einem Stock die Tiefe erkundet, war es kein Problem durch das Wasser hindurchzufahren. Nach knapp 10 weiteren Wasserlöchern dieser Art, die alle nicht viel tiefer als 10 cm waren, wurde es uns dann irgendwann zu langweilig, jedes Mal anzuhalten und auszusteigen. Ein Fehler: Das vielleicht 15. Wasserloch war deutlich tiefer, was ich erst merkte, als wir schon drin waren. Wir kamen zum stehen, als die Motorhaube schon vollständig mit Wasser bedeckt war und aus der Belüftung der Geruch von fauligem Wasser ins Auto kam. Wie es das Auto geschafft hat weiß ich nicht genau, aber wir sind tatsächlich im Rückwärtsgang wieder rausgekommen. Ein Blick unter die Motorhaube zeigte meinem ungeschulten Auge zwar viel braunen Schlamm, aber nichts was auf eine Beschädigung hindeutete. Nur das vordere Nummernschild war um knapp 90 Grad verbogen. Jetzt mussten wir uns entscheiden, ob wir umkehren sollten oder weiter versuchen, unser Ziel zu erreichen. Noch war es halbwegs hell, auch wenn die Sonne schon ziemlich tief stand. Schließlich entdeckten wir neben dem tiefen Wasserloch Spuren eines anderen Autos durch die Büsche neben der Piste. Auf dieser Weg konnten wir das Wasserloch umgehen, an den folgenden sind wir dann doch erstmal wieder ausgestiegen, um die Tiefe zu erkunden. Irgendwann bin ich dann dazu übergegangen, mit Schrittgeschwindigkeit und dem Fuß auf dem Bremspedal ins Wasser hineinzufahren. Die Piste wurde mit der Zeit immer schmaler, die Sträucher kratzen schon wieder an beiden Seiten am Auto. Da wir die 20 km auch schon so gut wie hinter uns gebracht hatten und noch immer kein Zeichen von Zivilisation zu sehen war, kamen in mir so langsam Zweifel auf, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren. Mittlerweile war es auch schon stockdunkel. Rechts von dem Weg sahen wir schließlich die Lichter von Bremer Bay, zwischen uns und den Lichtern befand sich jedoch ein in der Dunkelheit nicht genauer erkennbares, mindestens 20 m breites Gewässer. Nach wenigen Metern sahen wir vor uns den Strand und das Meer. Meine Interpretation dieser Situation: Vor uns Meer, rechts ein mündender Fluss oder eine Bucht. Wir sind an der Stadt vorbeigefahren. Also drehten wir um. Auf dem Rückweg fanden wir keine Abzweigung, die zum Ort hätte führen können. Stattdessen machten uns die Wasserlöcher bei jetzt vollständiger Dunkelheit noch mehr Schwierigkeiten. Ein besondern großes Loch versuchten wir wieder durch die Büsche zu umfahren, die Ausweichspur war aber ebenfalls mit Wasser gefüllt, so dass die Spuren der Reifen sich immer tiefer in den Boden eingruben, während dazwischen der nasse Boden hoch abstand. Höher, als das Auto Bodenfreiheit hatte. Hier blieben wir stecken, erst nach dem Wegschaufeln der Erde mit meinem Aldi-Badelatschen und mehrmaligem Vor- und Zurückrangieren war das Auto wieder frei. Julias Anstrengungen, das Auto anzuschieben, sollen auch nicht unerwähnt bleiben. Auf dem Weg zurück begegneten uns noch zwei Kängurus. Das einzige Problem blieb der mittlerweile fast völlig leere Tank, mit dem wir zum Homestead zurückkamen. Wir waren in der Nacht die einzigen Gäste, etwas Diesel hätte man uns anbieten können. Das nützte unserem Benziner eher wenig.

Am Abend ging ich noch zum Auto. Nach dem ich die Tür geschlossen hatte, brannte im Auto noch die Innenraumbeleuchtung. Die einzige künstliche Lichtquelle weit und breit. Durch das Abschließen der Türen mit der Fernbedienung wurde auch diese Lichtquelle gelöscht, und es blieben nur noch die Sterne der Südhalbkugel, die aus dem wolkenleeren Himmel die Umgebung beleuchteten. Für meine Augen machte es den Eindruck, als habe ich mit der Fernbedienung nicht nur das Licht im Auto abgeschaltet, sondern gleichzeitig das Sternenlicht eingeschaltet. Ein tolles Gefühl ;)

Am nächsten Morgen mussten wir uns also auf den Weg zur nächsten Tankstelle machen. Auch wenn man sich für die 50 km lange, harmlose Strecke entscheidet, ist Bremer Bay noch die nächste Tankstelle vom Homestead aus. Die Anzeige des Tankfüllstands hatte mittlerweile den Empty-Strich unterschritten, und Verkehr gab es auf dem gesamten Weg auch nicht. Die Ungewissheit blieb also die ganze Zeit über, ob der Motor im nächsten Moment ausgehen würde und man sich dann entscheiden muss, 25 km zurück oder 25 km Richtung Bremer Bay zu laufen. Wir hatten uns zwar die Telefonnummer der Tankstelle geben lassen, aber ohne Empfang bringt das auch nicht viel. Wie auch immer, am Ende ist es gut gegangen und wir erreichten nach über 70 km auf unbefestigten Pisten mit leuchtender Tankwarnlampe die Tankstelle in Bremer Bay, gleichzeitig auch der einzige Supermarkt weit und breit.

Danach fuhren wir dann noch zu einigen der vielen kleinen Strände um Bremer Bay. An einem dieser Strände entdeckten wir die Stelle wieder, an der wir in der Nacht zuvor gewendet hatten. Das unüberwindbare Gewässer, das wir in der Nacht gesehen hatten, war tatsächlich ein Fluss. Dieser mündete jedoch nicht ins Meer, sondern endete in einem See direkt am Strand. Zwischen See und Meer kann man trockenen Fußes über den Strand laufen, hier hätten wir am vorherigen Abend auch mit dem Auto langfahren können. Bis zur Tankstelle wären es von dort keine 2 km gewesen, über eine - ob man es glaubt oder nicht - geteerte Straße.

Danach ging es noch einmal zurück in den Fitzgerald River National Park. Während Julia im Auto sitzen blieb und an ihrer Diplomarbeit pfeilte, bestieg ich den Mount Barren und war in 38 Minuten wieder am Auto. Ein Schild empfahl, sich für den Weg mindestens 2 Stunden Zeit zu nehmen. Der Ausblick vom Gipfel war die Anstrengungen aber mehr als wert. Am Point Ann, einem Kap im Nationalpark, haben wir dann noch einmal eine Walmutter mit ihrem Kalb beobachten können.

Hier endet der Artikel sehr abrupt, weshalb ich ihn bisher nicht veröffentlich hatte. Mal sehen, vielleicht finde ich irgendwann die Zeit, ihn zu Ende zu schreiben. Verlasst euch aber lieber nicht drauf ;)