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Ja, tatsächlich noch vor Ende des Monats August was Neues von mir!

Nachdem wir uns gestern in unserer Wohnung mit einigen Freunden getroffen haben und ihnen die Fotos gezeigt haben, die wir bisher in Australien gemacht haben, dachte ich es ist doch endlich mal an der Zeit alle Freunde in Deutschland mit Bildern zu versorgen. Mein Cousin Markus hat mir netterweise angeboten, auf seiner Webpräsenz die Bilder abzulegen, mein Speicherplatz wäre dafür etwas knapp gewesen. Darum findet ihr die Bilder dort.

Ich glaube die bisher größte Kategorie mit Fotos ist bisher die von unserem Trip am letzten Wochenende zum Uluru - Kata Tjuta National Park. Wer Uluru nicht kennt, dem sagt der Name Ayers Rock vielleicht etwas. Uluru ist der ursprünglich von den Aborigines verwendete Name des Felsens, der heute auch in Australien wieder mehrheitlich verwendet wird. Von Perth ist der Uluru ungefähr 1700 km Luftlinie entfernt, mit dem Auto würde man mindestens 2700 km je Strecke fahren. Also sind wir am Freitag hingeflogen, zwei Nächte dort geblieben und am Sonntag zurückgekommen. Auch hierzu hab ich wieder eine Google Earth-Datei.

Um rechtzeitig am Flughafen Perth zu sein, durften wir morgens um 7 Uhr den Bus nehmen, einmal in der Innenstadt umsteigen, und dann durch die kleinsten Vororte zum Domestic Airport. Der Flughafen Perth hat zwei Terminals, die auf den gegenüberliegenden Seiten des Geländes liegen. Will man von einem Terminal zum anderen, ist man mindestens 45 Minuten unterwegs. Zum Glück sind wir auf Anhieb zum richtigen gefahren ;) Beim Qantas Check-In dann wieder eine positive Überraschung für technisch interessierte Menschen wie mich: Das Einchecken kann (bzw. muss sogar) man selbst durchführen, ohne sich anstellen zu müssen. Einfach die Kreditkarte in den Automaten, per Touchscreen aussuchen, wo man gerne sitzen möchte, und schon werden die Bordkarten gedruckt. Um das Gepäck aufzugeben, muss man dann aber doch noch kurz beim normalen Schalter vorbeischauen. Wir hatten nur einen kleinen Trolley dabei, der vom Gewicht und von der Größe her auch ins Handgepäck gekonnt hätte, aber nicht mit meinem Schweizer Taschenmesser drin.

Am Ayers Rock Airport angekommen, habe ich erstmal noch auf dem Rollfeld Fotos von dem kleinen Terminal gemacht, bis mich schließlich die Security-Dame darauf aufmerksam gemacht hat, dass dies verboten ist. Mit dem kostenlosen Shuttle-Bus waren wir in ungefähr 10 Minuten am Hotel. Dort mussten wir erstmal klären, ob unsere Ausflüge auch wirklich gebucht waren. Wir hatten zwar ein Fax abgeschickt, aber keine Bestätigung gekriegt. Eine Tour war tatsächlich schon ausgebucht, also verschoben wir das Abendessen auf den ersten Tag, um dann am zweiten Tag die beiden Touren in den Nationalpark machen zu können.

Los ging's also am Freitag Abend mit dem Sounds of Silence Dinner mitten in der Wüste. Mit uns am Tisch saß das Ehepaar Hanf aus Seattle, er arbeitet bei der Polizei, sie bei Intel, sowie drei Australier, von denen zwei im Ayers Rock Resort arbeiten. Nach dem Buffetessen wurden alle Lichter (Kerzen) ausgemacht, und in absoluter Dunkelheit erklärte uns eine Astronomin mit einem Scheinwerfer die Sternbilder der Südhalbkugel.

Am nächsten Morgen trieben wir das frühe Aufstehen dann auf die Spitze. Um zum Sonnenaufgang am Uluru zu sein, durften wir um 6 Uhr aufstehen, was einer Zeit von 4:30 Uhr in Perth enstpricht (das Northern Territory hat interessanterweise 1:30h Zeitverschiebung zu Perth bzw. 30 Minuten nach Sydney, nicht wie man es sonst kennt, volle Stunden). Wie man auf den Fotos glaube ich ganz gut erkennen kann, hat sich das frühe Aufstehen auf jeden Fall gelohnt. Was mir am Uluru besonders gefallen hat, ist nicht unbedingt das bekannte Postkartenmotiv aus der Ferne, sondern die vielen Details, die man aus der Nähe sehen konnte. Viele davon durfte man nicht fotografieren, weil sie "Sacred Sites" der Aborigines sind. Die Tour nannte sich "Uluru Walk", weil wir einmal die 10 km komplett um den Uluru gelaufen sind. Zum Abschluss haben wir noch ein Foto mit unserem Guide, der Geologin Karen, gemacht. Als wir mittags zum Hotel zurückkamen, haben wir uns erstmal hingelegt, um nachmittags für die Tour nach Kata Tjuta wach zu sein. Kata Tjuta ist ungefähr eine Stunde vom Uluru enfernt, besteht aus 4 Felsen und ist sogar höher als Uluru. Es ist nur nicht ein optisch so spektakulär wie der zusammenhängende Teil des Uluru, der aus der Erde ragt. Dafür haben mehrere Felsen natürlich den Vorteil, dass man zwischen ihnen hindurchgehen kann, was wir auch getan haben. Diese Tour hieß "Kata Tjuta and Dunes" mit dem Guide Amy, einer Biologin, die für meinen Geschmack etwas zu viel über die lokale Pflanzenwelt loswerden wollte, aber sonst nicht viel erzählt hat.

Über die Rückfahrt am Sonntag ist noch zu erwähnen, dass wir im Bus drei uns bekannte Gesichter getroffen haben. Alle drei sind auch Studentinnen an der University of Western Australia (davon gibt es aber insgesamt über 17.000), wir hatten aber bisher noch nie zwei von ihnen gemeinsam gesehen. Eine von ihnen hatte ich in der Woche sogar schon zum dritten Mal im Bus getroffen. Und das bei hunderten von Buslinien, die jeweils mindestens halbstündlich durch die Perth Metroarea fahren.

Ein weiterer Grund dafür, dass ich jetzt die Fotos hochladen konnte, ist die Tatsache, dass wir seit Montag endlich einen funktionierenden ADSL-Anschluss haben. Was den Telefonmarkt angeht, gibt es in Australien leider genau die gleichen Probleme wie in Deutschland. Telstra, ehemals staatlicher Monopolist, besitzt fast alle Leitungen, viele andere Firmen mieten Leitungen von Telstra, um sie Endkunden anbieten zu können. Bei einer solchen Firma habe ich den Anschluss beantragt. Die Leitung funktionierte nicht, Telstra musste eingeschaltet werden, und mit 2 Wochen Verzögerung funktionierte es dann auch schon.

Das kommende Wochenende wird bei mir wohl geprägt sein von der Vorbereitung auf meine erste größere Prüfung an der Uni hier. Am Dienstag Abend habe ich ein Mid-Semester Exam in einem Fach. Statt einer Klausur am Ende gibt es in diesem Fach zwei Klausuren, eine jetzt nach 6 Wochen über die erste Hälfte des Stoffs, und noch eine am Ende des Semesters. Zusätzlich fließt auch noch ein Vortrag in die Bewertung ein.

Und wer sich noch fragt, was zum Teufel die Überschrift dieses Artikels soll: Vor einer Woche kam hier mein erstes Paket aus Deutschland an. Ich hab mir von Amazon die neue Jan Delay Mercedes-Dance bestellt, und bin mal wieder begeistert. Diese CD wäre vielleicht noch eine Sache gewesen, die ich hier vermissen könnte, wenn ich sie nicht hätte. Aber dank des internationalen Versandhandels bin ich wunschlos glücklich ;)

03/08: Ich lebe noch

Woran merkt man, dass man zu lange nichts mehr in sein Blog geschrieben hat? Man erinnert sich noch nicht einmal mehr an das Passwort, mit dem sich für das Schreiben von Artikeln anmelden muss. Zum Glück konnte sich mein Browser noch besser daran erinnern als ich ;)

In den letzten Tagen seit meinem letzten Artikel hat sich hier einiges getan. Wie ich ja schon geschrieben hatte, habe ich schon 3 Tage nach meiner Ankunft hier eine Wohnung gefunden, für die ich mich begeistern konnte. Noch am selben Abend, als ich hier die Wohnungs-Besichtigung gemacht habe, habe ich Julia per Internet die Fotos der Wohnung gezeigt und ihr per Telefon von meinen Eindrücken berichtet. Am nächsten Tag habe ich die "Bewerbung", wie es sich hier nennt, um den Mietvertrag für die Wohnung abgegeben. An meinem achten Tag in Australien haben wir dann die Zusage bekommen, am Abend des elften Tags (das war der letzte Freitag) konnten wir einziehen. Meine ursprünglich auf zwei Wochen veranschlagte Motel-Aufenthaltszeit konnte ich also noch unterbieten.

Wir wohnen jetzt wie wir es uns erhofft haben direkt am Strand, mit Meerblick aus dem Wohnzimmer und vom Balkon. Das gesamte Haus hat inkl. Erdgeschoss drei Etagen, wir haben eine der beiden Wohnungen in der mittleren Etage. Die Wohnung besteht aus einem sehr großen Raum, der in Wohnzimmer und eine offene Küche unterteilt ist, dazu ein Badezimmer und zwei Schlafzimmer. Falls also jemand bis November mal in Perth vorbeischauen möchte, könnten wir euch sogar noch in der Wohnung unterbringen. Was mir noch fehlte war so etwas wie ein Schreibtisch. Also haben wir uns dann noch beim örtlichen IKEA einen einfachen Tisch (150cm lackierte Spanplatte plus vier Stahlbeine, Made in Poland) für umgerechnet weniger als 50 € geholt. Der steht jetzt vor dem Fenster mit Meerblick, welche Auswirkungen das auf meine Konzentration bei der Arbeit hat, konnte ich noch nicht genau erheben ;)

Für alle Freunde von Google Earth habe ich mal meine drei wichtigsten Aufenthaltsorte der letzten Wochen in einer Google Earth KML-Datei gespeichert. Wie man dort sieht, bin ich jetzt doch etwas weiter weg von der Uni als vorher im Motel. Aber es gibt eine durchgehende Busverbindung. Der Bus fährt 50m vor unserer Haustür ab und man kommt ohne Umsteigen direkt zur Uni. Vorher war ich in 20 Minuten zu Fuß in der Uni, jetzt brauch ich 20 Minuten per Bus oder Auto. Bleibt man noch 10 Minuten länger im Bus sitzen, ist man mitten in der Innenstadt von Perth.

Seit der letzten Woche hat hier das Semester 2 2006 begonnen (von Sommer und Winter spricht man hier nicht, wahrscheinlich um die vielen Studenten aus der nördlichen Hemisphäre nicht unnötig zu verwirren). Zusammen mit dem Einzug in die Wohnung waren wir also ziemlich gut beschäftigt. Aber im großen und ganzen würde ich aber nicht sagen, dass das Studieren hier völlig anders läuft als bei uns. Die Note setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, also nicht nur eine große Prüfung am Ende des Semesters. Aber das gibt es ja mittlerweile auch an der FH Gelsenkirchen immer mehr, zumindest in den Master-Modulen. Der Campus ist natürlich wesentlich größer, jeder Fachbereich hat sein eigenes, freistehendes Gebäude. In der Mitte von allem ist eine Wiese, größer als ein Fußballplatz. Die Gebäude sind zum größten Teil wesentlich älter als ich es von zu Hause kenne, sind aber trotzdem noch in gutem Zustand.

Ein paar Dinge gibt es auf jeden Fall, die hier deutlich besser organisiert sind als bei uns: Ein neuer Student meldet sich per Internet einmal zentral an einem System an und sucht sich ein Passwort aus. Damit hat man dann Zugang zu allen Systemen auf dem ganzen Campus, man kommt in der Bücherei ins Internet, kann online seine Kontaktadresse ändern, sich für Kurse anmelden, die Skripte zu den Kursen runterladen und in Diskussionsforen teilnehmen, sich für Übungs- und Praktikumstermine anmelden, seine Noten abrufen, sich Zeugnisse zuschicken lassen usw. Auf den Studentenausweis kann man Guthaben aufladen und damit z.B. Kopien in der Bücherei bezahlen. Außerdem gibt es hier, so wie es bisher aussieht, keine Ausfälle von Veranstaltungen. Wenn der zuständige Dozent aus irgendwelchen Gründen verhindert ist, spricht er das in der Verstaltung an und fragt die Studenten, wann Sie denn Zeit hätten, den Termin nachzuholen. Ein Professor bietet nun eine ausgefallene Vorlesung sogar an zwei Alternativterminen an, damit möglichst alle Studenten die Gelegenheit haben, zu einem der Termine hinzugehen und so nichts zu verpassen.

Die ersten 10 Tage Linksverkehr hinter dem Steuer eines Mietwagens habe ich auch unfallfrei überstanden. Am Anfang am häufigsten verwechselt habe ich Blinker und Scheibenwischer, die beiden Hebel dafür sind nämlich auch seitenverkehrt angebracht. Die Gänge am Schaltknüppel und die Pedale sind dagegen genauso angeordnet wie bei uns, etwas inkonsequent für meinen Geschmack ;) Ansonsten klappt es aber bisher schon ganz gut. So lange man auf großen Straßen im Verkehr mitschwimmt kommt man sowieso nicht in Versuchung auf der falschen Seite zu fahren. Das passiert mir nur hin und wieder mal in Wohngebieten, wo keine Straßenmarkierungen und auch keine anderen Autos auf der Straße sind. Aber da ist zum Glück auch die Gefahr deutlich geringer, dass man in so einem Moment auf ein entgegenkommendes Auto trifft. Vorgestern habe ich das Auto erstmal wieder abgegeben, wir werden uns wahrscheinlich in Zukunft immer wieder mal für ein paar Tage ein Auto leihen, um die Gegend zu erkunden. Aber um zur Uni zu kommen oder die täglichen Einkäufe zu erledigen, brauchen wir hier soweit ich das bisher beurteilen kann kein Auto.

Ach, zu dem RFID-basierten neuen elektronischen SmartRider Ticket-System der öffentlich-rechtlichen ÖPNV-Gesellschaft TransPerth gibt es auch Neuigkeiten: Das System ist nach Aussage des Ticketverkäufers "mal wieder komplett gecrasht", frühestens in einem Monat will man wieder versuchen, neue Kunden drauf loszulassen.

So, ich denke der Artikel ist schon wieder deutlich zu lang geworden. Schöner wären natürlich kürzere, häufigere Artikel, aber ob ich das hinbekomme, kann ich noch nicht sagen. Vielleicht schreibt mir ja mal jemand in einem Kommentar, was für euch noch interessant wär.